Rosarote Brille für die Goldstadt

11. November 2010

Pforzheimer Zeitung, Gerd Lache, 11.11.2010

PFORZHEIM. Ein sattes Programm in nur zwei Tage gepackt – unter diesem Druck entwickelten 40 europäische Kreativ-Talente ihre Ideen, wie Pforzheim künftig besser dargestellt werden könnte. Gestern war die Präsentation.

Digitale Pioniere und junge Talente der Kreativwirtschaft trafen sich gestern zum europäischen Zukunftskongress „Create10“ im Stuttgarter Römerkastell – und die Kreativen aus Pforzheim waren ein Teil davon. Zum Abschluss des zweitägigen Talent-Gipfels „Future Media Vision“ in Pforzheim (die PZ hat berichtet) präsentierten die knapp 40 europäischen Talente auf der Bühne im Kreativzentrum Römerkastell ihre Visionen davon, wie man die Vorzüge der Goldstadt digital umsetzen kann.

Und wie stellt sich der gemeine Laie bei so viel europäischer digitaler Kompetenz die Entwicklung und Präsentation vor? Natürlich mit iPod, iPad oder anderen Alleskönner-Handys und Tablet-Computern. Doch weit gefehlt: Auch im Epizentrum des Digitalen und Virtuellen kommt das gute alte Flipchart, also der überdimensionale Schreibblock, oder das triviale Skizzen-Papier zum Einsatz. Und wie könnte nun eine digitale Anwendung für Pforzheim aussehen?

Produktbeispiel: Eine Brille, durch deren Gläser der Träger nicht hindurchsieht, sondern auf innenliegenden Displays die Bilder seiner Umgebung sowie hinzugespielte Fotos zu sehen bekommt. Die Kombination ergibt eine reale Darstellung mit erweiterten Funktionen. In der Fachsprache spricht man von Augmented Reality, also erweiterte Realität. Zudem hat diese Brille Navigationsmöglichkeiten, wie sie von Navi-Geräten in den Autos bekannt sind. Und es gibt einen direkten Internetzugang, der das schnelle Einspielen der zusätzlichen Fotos ermöglicht.

Anwendungsbeispiel: Ein Besucher der Goldstadt könnte mit einer solchen Brille selbstständig durch Pforzheim geführt werden, er könnte auf Wunsch über die Navigationsfunktion zu Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten gelotst werden und nicht zuletzt hätte er die Möglichkeit, die Sehenswürdigkeiten der Stadt im Jetzt-Zustand und per Augmented Reality im historischen Prachtanblick vor der Zerstörung übermittelt zu bekommen – sozusagen ein Pforzheim-Rundgang mit der „rosaroten Brille“ meinte die Initiatorin des Pforzheimer Treffens, Isabelle Zahorka, von „Dumbo & Gerald“, einem Studio für interdisziplinäres Design.

Nur Fantastereien? Mitnichten: Automobilhersteller wie BMW basteln an solchen Super-Brillen, die beispielsweise den Mechatronikern Anleitungen zum Reparieren der Fahrzeuge geben – bis hin zur Empfehlung des benötigten Werkzeugs.

Tipp: Auf der Internetseite www.youtube.de in die Suchleiste „BMW's Augmented Reality Glasses“ eingeben und im Video die Möglichkeiten ansehen.

Christoph Dickmanns, Direktor von WSP (Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim) zeigte sich gestern in Stuttgart angetan vom professionellen Umfeld, in dem die Ideen vorgetragen wurden. An der praktischen Umsetzung müsse nun gemeinsam mit der Hochschule Pforzheim, Fakultät Gestaltung, gearbeitet werden.

Ideen sammeln auf dem Multitouch-Tisch der Firma medialesson. Der große PC-Bildschirm war gestern einer der Blickfänge beim Zukunftskongress „Create10“ in Stuttgart. Pforzheimer Kreative präsentierten dort digital ihre Visionen. Von links: Christoph Dickmanns (WSP), Petra Schneider (medialesson), Isabelle Zahorka (Dumbold & Gerald), Philipp Bauknecht (medialesson) und Mirko Schwerdtfeger (WSP). (Foto: Löffler)