Nationalsozialismus

01. April 2008

Bildungsdepartement kanton St. Gallen, April 2008

Nationalsozialismus ist ein ernsthaftes, sogar ein bedrückendes Thema. Dieses auf spielerische Art und Weise anzugehen macht wenig Sinn. Entsprechend sachlich-informativ kommt die CD- ROM auch daher. Die historischen Hintergründe und Zusammenhänge werden mit Graphiken, Filmclips und Text-Quellen sehr anschaulich erklärt. Diverse Modi machen es möglich, dass sowohl der Oberstufenschüler als auch die Geschichtsstudentin sich umfassend informieren kann. Insgesamt umfasst die CD-ROM zwölf Lerneinheiten. Die ersten neun beschäftigen sich ausschliesslich mit dem historischen Nationalsozialismus, während die drei letzten auf den Faschismus, Legenden und Lügen und auf den Rechtsradikalismus heute eingehen. 

Zielgruppen
Oberstufe (9. Schuljahr), Gymnasium, Studium, Erwachsenenbildung 

Arbeitsweise
Wissbegierige kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Sobald man auf eine Lerneinheit klickt, erscheinen acht verschiedene Modi: Präsentation, Vortragsstruktur, Arbeitsblätter, darstellender Text, Materialien/Bilder, Videoclips, Quellen, Folienvorlagen und Prüfungsaufgaben.  Die CD-ROM Nationalsozialismus bietet eine Fülle von Materialien, aus denen die Benutzer auswählen müssen. Wer jedoch einmal begonnen hat, sich in ein Gebiet einzulesen und einzuhören, kommt fast nicht mehr los. Ständig erfährt man Neues, sieht Bilder, die einen packen. Dabei wird man nicht einfach mit Informationen eingedeckt und erschlagen: Die Bilder, Tonaufnahmen und Videos sind von ansprechender Qualität. Die Benützer werden automatisch zu Studierende, Nachforschende, Wissbegierige. Doch das Tempo gibt jede Person selber vor. Ein Zurück ist jederzeit möglich, auch das Wiederholen.  Mit Blick auf die Hauptzielgruppe ist kein fixer Ablauf oder gar ein bestimmtes Lernprogramm vorgegeben. Auch die verschiedenen Modi sind eigentlich keine Unterkapitel, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Es bleibt den Lernenden überlassen, in welchem Tempo und Umfang sie das komplexe Thema angehen. Einzig und allein die Präsentation und der chronologische Ablauf der Ereignisse ergeben so etwas wie ein Lernraster. In erster Linie ist Nationalsozialismus jedoch ein sehr gut gemachtes Nachschlagewerk, das animiert und motiviert, mehr zu erfahren. 

Didaktische Aspekte
Mit der Präsentation wird wohl jeder beginnen, der über wenige Vorkenntnisse verfügt. Dabei wird mit Audiokommentar anhand einer Graphik und eingeblendeten Bildern eine Lerneinheit vorgestellt. Jeder Schritt kann wiederholt werden, ein Zurückgehen oder Verlassen der Einheit ist jederzeit möglich. Dieser Modus ist für das Selbststudium ideal. Materialien und Bilder, die in kleiner Form während der Präsentation erscheinen, können zu einem späteren Zeitpunkt im Modus „Materialien/Bilder“ grossformatig angesehen werden. Wer sich als Oberstufenlehrkraft von den Arbeitsblättern ein druckfertiges Frageblatt erhofft, dürfte enttäuscht sein. Fragen zu einem Themenkreis sind sehr offen gestellt, die Antwort hat als frei formulierter Text zu erfolgen. Auswahlmöglichkeiten, Zuordnungsaufgaben etc. fehlen leider. Die Antworten könnten zwar ausgedruckt oder per Mail verschickt werden. Für letzteres ist nicht einmal ein E-Mail-Account nötig. Dies ist jedoch wohl eher eine Anwendung auf Stufe Studium. 

Für eine Präsentation im Klassenzimmer oder im Hörsaal über den Beamer ist die Vortragsstruktur gedacht. Ähnlich einer Powerpoint-Präsentation werden hier nacheinander verschiedene Folien gezeigt, Textblöcke und Erklärungen eingeblendet. Mit einem Mausklick kann vor- und zurücknavigiert werden, Quellen können zusätzlich eingeblendet werden. Von den Autoren wird dies als digitaler Tafelanschrieb bezeichnet. Doch auch Schülerinnen und Schüler könnten einzelne Folien bestimmt als Präsentationshilfe einsetzen. Der darstellende Text ist aus Sicht der Sekundarstufe sehr brauchbar; Lernende können aus dem Text heraus immer wieder Quellmaterial wie Fotos, Plakate, Landkarten oder Videoclips betrachten, um dann wieder zum Text zurückzukehren. Der Text wie die Bilder können mit Copy/Paste in ein Textverarbeitungsprogramm exportiert und weiterverarbeitet werden.  Ein Thesaurus, d.h. eine Möglichkeit, Begriffe nachzuschlagen, bietet die Software leider nicht. Die Online-Schnittstelle auf der Startseite entpuppt sich als Fundgrube, insbesondere die Link-Liste.

Technik
Die Systemanforderungen sind gering. Nationalsozialismus lässt sich auf älteren PCs problemlos betreiben. Als Erweiterung muss Quicktime vorhanden sein. Die Dateien können von der CD-ROM problemlos auf ein Netzlaufwerk kopiert werden. Mittels der Startdatei kann jede Person im Netz das Programm starten. Da alle anderen Dateien, auf welche das Programm zugreift, ebenfalls sichtbar sind, empfiehlt es sich, diese zu „verbergen“. Eine Online-Schnittstelle vernetzt das Programm mit dem Internet. Auf Frühjahr 2008 anlässlich der Didacta in Stuttgart kündigt Medialesson eine inhaltlich und technisch überarbeitete Version der Software an. 

Gestaltung
Der Hintergrund von Nationalsozialismus ist einheitlich blau und das Navigieren innerhalb der verschiedenen Modi gibt keine Rätsel auf. Die wenigen Abkürzungen, welche auf den Folien und in den Quelltexten vorkommen, sind bereits auf der Startseite erklärt. Die Navivationselemente sind in allen Ebenen dieselben und erklären sich von selbst. Die Software ist nie verspielt, aber auch nicht trocken oder langweilig.  Bei der Bedienung von Video-Clips wird auf Apples Quicktime-Mediaplayer zurückgegriffen. Dieser ist bewährt und selbsterklärend. 

 

Medialesson Imperialismus & Erster Weltkrieg

Aus der gleichen Reihe bietet Medialesson die CD-ROM „Imperialismus & Erster Weltkrieg“ an. Der Aufbau entspricht weitgehend derjenigen vom Nationalsozialismus. Auch diese Software wird per 2008 technisch überarbeitet. 

plusminus

plus:
+ einfache Navigation 

+ sehr gut recherchiert 

+ sehr informativ 

+ methodisch vielseitig 

+ einfache Installation 

minus: 
- inhaltlich anspruchsvoll 

- benötigt geschichtliches Vorwissen