„Nationalsozialismus“: Multimediale Lern- und Lehreinheiten

25. April 2005

lehrer-online.de, Ulrich Bauer

Zum Nationalsozialismus gibt es eine überwältigende Fülle von Informationen im Internet und eine Reihe multimedialer Produktionen auf CD-ROM wie "Gegen das Vergessen" oder das "Anne Frank Haus". Letztere sind durchaus gut für den Einsatz im Unterricht geeignet, wurden jedoch nicht im Hinblick auf die inhaltlichen Vorgaben der Lehrpläne oder methodische Lernziele des Geschichtsunterrichts produziert. Die Multimedia-CD-ROM "Nationalsozialismus" unterscheidet sich grundlegend davon, denn sie wurde speziell für den Einsatz im Unterricht konzipiert. 

 

Inhalt

Gliederung orientiert sich am Curriculum
Die thematische Gliederung folgt bewusst den "klassischen" Inhalten der Geschichtscurricula. Die CD-ROM bietet Materialien zum Aufstieg der NSDAP, zur Machtergreifung, NS-Ideologie, Expansion bis 1939 und zum Zweiten Weltkrieg. Selbstverständlich werden die Verfolgung der Juden, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Alltag im Dritten Reich ausführlich dokumentiert. Drei Exkurse zum Faschismus in Europa, zu Legenden und Lügen und zur Ideologie der radikalen Rechten heute ergänzen das Angebot. Für die Unterrichtspraxis deckt die CD-ROM somit das Spektrum der zentralen Aspekte des Themas ab. Obwohl sie für den Geschichtsunterricht der Klassen 9 bis 13 produziert wurde, lässt sich die Software auch in anderen Fächern - zum Beispiel in Politik oder Ethik - einsetzen.


Modularer Aufbau

Dass die CD-ROM von Schulpraktikern für die schulische Unterrichtspraxis gemacht wurde, zeigt sich vor allem in ihrer äußerst durchdachten und flexiblen Struktur. Der modulare Aufbau erlaubt ganz unterschiedliche Formen des Arbeitens - vom foliengestützten Lehrervortrag bis zur eigenständigen Arbeit der Schülerinnen und Schüler mit Texten, Bildern, Videos und Arbeitsaufgaben. Selbst Prüfungsaufgaben zur Lernkontrolle wurden nicht vergessen.


Die neun Module der CD-ROM

Zur Erschließung eines Themas gibt es neun verschiedene Zugangsmodi.

• Präsentation
Sie führt die Lernenden durch das Thema und vermittelt anhand von ausgewählten audiovisuellen Materialien (Quellen, Filme, Bilder, Kommentare) einen Überblick. Die Präsentation kann vom Benutzer gezielt gesteuert werden. Dieser Modus eignet sich für den Einstieg, sei es für eine ganze Klasse oder im Selbststudium.

• Vortragsstruktur
Diese Funktion bietet die Möglichkeit einer Art "digitalen Tafelanschriebs" und kann als Grundlage für einen audiovisuell unterstützten Vortrag oder einen fragend-entwickelnden Unterricht dienen.

• Arbeitsblätter
Sie ermöglichen die arbeitsteilige Behandlung oder das selbstständige Erarbeiten eines Themas. Auch bei den auf den ersten Blick traditionell anmutenden Arbeitsblättern werden die Möglichkeiten des Mediums, etwa die Verlinkung auf ergänzende Materialien, gut genutzt. Alle Arbeitsblätter sehen Felder für die Beantwortung der Fragen vor. Dadurch ist es möglich, Antworten mit dem Beamer zu projizieren oder als E-Mail zu verschicken - eine interessante Möglichkeit, wenn es sich um Hausaufgaben handelt.

• Darstellender Text
Diese wissenschaftlich fundierte Darstellung des Themas soll das Schulbuch ersetzen oder ergänzen. Der Text kann sowohl der selbstständigen Erarbeitung eines Themas als auch als Grundlage für Referate dienen. Auch hier gilt, dass jederzeit der Zugriff auf verlinkte Medien möglich ist.

• Materialien/Bilder
Dieser Menüpunkt bietet eine große Sammlung von Bildern, Plakaten, Statistiken und Grafiken zur jeweiligen Lerneinheit. Schuabilder zur Rassenlehrer verdeutlichen beispielsweise, wie Schülerinnen und Schülern ab 1933 die Rassenideologie der Nationalsozialisten vermittelt wurde. Ein Teil der Grafiken ist interaktiv.

• Quellen
Alle Materialien aus der Sammlung von Ton- und Schriftquellen im Original sind zur jeweiligen Lerneinheit in übersichtlicher Form thematisch geordnet. Die zeitgenössischen Tondokumente stammen weitgehend aus dem Deutschen Rundfunkarchiv in Frankfurt am Main. Die Sportpalast-Rede des Propagandaministers Joseph Goebbels fehlt ebenso wenig wie eine Rede Himmlers zur Vernichtung der Juden oder eine Reportage zur Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz.

• Videoclips
Die Rubrik aus der ZDF-Reihe "Hitler - eine Bilanz" stellt Originalfilme aus der Zeit des Nationalsozialismus zur Verfügung, zum Beispiel Propagandafilme gegen die Juden und zur nationalsozialistischen Rassenlehre (der Film "Das Erbe" rechtfertigt beispielsweise die Euthanasie).

• Folienvorlage
Hier finden Sie eine chronologische Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse eines Themenblocks oder eine grafische Darstellung grundlegender Zusammenhänge. Folienvorlagen eignen sich für die Zusammenfassung nach der Behandlung im Unterricht.

• Prüfungsfragen
Die Aufgaben können der Selbstkontrolle oder der Vorbereitung auf Prüfungen dienen.

 

Technik

Die CD-ROM ist durchgängig in HTML erstellt und bietet so eigentlich die besten Voraussetzungen für einen betriebssystemübergreifenden Einsatz, da lediglich ein aktueller Browser benötigt wird. Leider liegen die Videoclips nur in einem proprietären Windows-Format vor. Dies bedeutet, dass die CD-ROM mit all ihren Multimedia-Elementen nur unter Windows eingesetzt werden kann. Wer auf einen Teil dieser Elemente verzichtet, kann sie  aber auch unter anderen Betriebssystemen - Mac oder Linux - einsetzen. Sehr vorteilhaft ist die Möglichkeit, dass einzelne Inhalte einfach in ein Verzeichnis auf dem Schulserver kopiert werden können. Danach läuft alles ohne die lokal eingelegte CD-ROM.

 

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Für Präsentationen, Recherchezwecke oder Projektunterricht
Der modulare Aufbau der CD-ROM ermöglicht ganz unterschiedliche Arbeitsformen und Einsatzweisen. So ist es möglich,

• die Software zur Grundlage eines mehr oder weniger "traditionellen" Unterrichts zu machen. Besonders die Funktionen "Präsentation" und "Vortragsstruktur" eignen sich dafür. Arbeitsblätter und schriftliche Materialien können ausgedruckt und ausgeteilt, Präsentationen und Vortragsstruktur als Overheadfolien eingesetzt werden. Wird auf die multimedialen Inhalte ganz verzichtet, kann der Unterricht im Klassenzimmer auch ohne die Nutzung von PCs stattfinden. Allerdings würde ein solcher Unterricht dem Anspruch des multimedialen Angebots nicht gerecht.

• die CD-ROM zur Grundlage eines projektorientierten Unterrichts zu machen, der auf weit gehende Selbsttätigkeit der Klasse setzt. Besonders die Funktionen Präsentation, Arbeitsblätter und Quellen sowie Materialien/Bilder und Videoclips bieten alles für die Arbeit in themenorientierten Gruppen. Damit alle SchülerInnen mit der CD-ROM arbeiten können, muss der Unterricht in diesem Fall im Computerraum oder einem anderen Raum mit genügend Rechnern stattfinden.

• einen Teil der Arbeit im Unterricht, einen anderen Teil zu Hause erledigen zu lassen. Die CD-ROM wird im Klassensatz (16 Exemplare) verkauft. So ist es möglich, den Schülerinnen und Schülern eine CD-ROM zur heimischen Vor- und Nachbereitung zu überlassen.

 

Für flexiblen Einsatz bestens geeignet
In der Schulpraxis wird wohl eine Mischung dieser Arbeitsformen am häufigsten vorkommen. Die CD-ROM bietet aufgrund ihres modularen Ansatzes und ihrer offenen Struktur in jedem Fall beste Voraussetzungen für flexible Arbeitsformen und Vorgehensweisen. Sie kann ab der 9. Klasse eingesetzt werden, eignet sich aber am besten für den Unterricht in der Sekundarstufe II.

 

Fazit

Gelungene Integration multimedialer Zusatzangebote
Der modulare Ansatz erweist sich in der Schulpraxis als äußerst gewinnbringend. Die Schülerinnen und Schüler werden bei der Arbeit mit der Software nicht "gegängelt". Nichts muss von A bis Z durchlaufen werden, alle Materialien stehen unter allen Modi jederzeit zur Verfügung. Besonders gelungen ist die enge Integration von Präsentationen und Texten mit den multimedialen Angeboten der CD-ROM. Die Bilder, Tondokumente oder Videoclips stehen immer dann nach wenigen Mausklicks zur Verfügung, wenn die Nutzer sie brauchen. Gleichzeitig verhindert eine übersichtliche Gliederung, dass man sich in der Vielfalt der Materialien verliert.