Geschichte auf moderne Art
23. Mai 2008 Pforzheimer Zeitung, Olaf Lorch, S. 12
Pforzheimer Zeitung, Olaf Lorch, S. 12
PFORZHEIM. Bereits während ihres Studiums haben Philipp Bauknecht und Petra Schneider mit dem Produkt ihrer Firma medialesson für Furore gesorgt: Dank einer CD-ROM ist Geschichtsunterricht abwechslungsreich wie nie.
Von solchen Komplimenten träumt ein Geschäftsmann: „Diese CD-ROM ist sehr empfehlenswert!“ Das stammt vom niedersächsischen Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Oder: „Erfreulich übersichtlich und systematisch gegliedert präsentiert sich das Programm, das sich ebenso wie die Stoffwiederholung bei Studenten oder für die Erwachsenenbildung eignet“, urteilt die historische Fachzeitschrift „Damals“ und schreibt weiter: „Ohne unnötigen Schnickschnack bietet die CD-ROM eine überzeugende Auswahl unterschiedlichster Quellen und Materialien, die fundiert erklärt werden.“ So etwas freut Petra Schneider, 25, und Philipp Bauknecht, 26, natürlich außergewöhnlich.
Außergewöhnlich unzufrieden muss bereits der Elftklässler Bauknecht gewesen sein, sonst wäre es nicht soweit gekommen, dass er als einer von drei Geschäftsführern – zusammen mit Schneider und dem Historiker Tobias Jersak – der Firma medialession im Pforzheimer Gründerzentrum Innotec an der Blücherstraße sitzt. Mit dem Begriff ist eigentlich alles genug ausgedrückt – oder genauer gesagt: das eine Standbein des 2002 in einer Einliegerwohnung in Simmozheim gegründeten Unternehmens. Denn Bauknecht wollte, dass es nachfolgenden Generationen im Geschichtsunterricht besser gehen sollte – also weg vom Frontalunterricht, von starren Schemata. Hin zu einer Software, die Daten und Links zuhauf gibt, aber keine Schrotflintensuche à la google erforderlich macht, sondern didaktisch und inhaltlich schon aufbereitet ist für den Unterricht.
Den Lehrplanverantwortlichen in Baden-Württemberg und Hessen war dies eine reibungslose Aufnahme in den Lernmittelkatalog wert. „Für den Unterricht empfohlen“, heißt es – besser geht’s nicht. Sie kauften Landeslizenzen. Die Firma will schließlich Geld verdienen (Einzel-Lizenzen kosten 50 Euro, Schul-Lizenzen 300 und Landes-Lizenzen 480 Euro). Nordrhein-Westfalen, frohlockt Bauknecht, stehe kurz davor.
Pendeln zwischen den Welten
„Wir haben den Bildungsmarkt in den vergangenen Jahren ziemlich aufgemischt“, sagt Schneider, die 2006 für den aus der Geschäftsleitung ausgeschiedenen Johannes Gienger (der ehemalige Lehrer Bauknechts) als Teilhaberin bei medialesson einstieg.
Beide haben im Wintersemester 2007/08 ihr Diplom gemacht, Bauknecht in Werbung, die Neuhausenerin Schneider in Marketing. Sie pendelten stets zwischen Vorlesungen und Firmen-Meetings, waren als Studenten bereits Unternehmer, engagierten sich gleichwohl an der Hochschule als Tutoren. Zu den bisherigen CD-ROM „Nationalsozialismus“ – vom Aufstieg der NSDAP bis zur radikalen Rechten heute (2002) – und „Imperialismus & Erster Weltkrieg“ – vom Wilhelminischen Kaiserreich bis zu den Folgen der „Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ (so der Historiker und Diplomat George F. Kennan) im Jahr 2005 – wird sich die „Straße der Demokratie“ gesellen. Diese dritte CD-ROM behandelt dann die deutsche Demokratiebewegung und das vorläufige Ende von Freiheit, Gleichheit und Einheit 1848/49.
Website für Restaurants
Zweites Standbein ist der sogenannte Richmedia-Bereich, eine weiterentwickelte Form der Website (beispielsweise für Theo Josts „Ochsenpost“ in Tiefenbronn und sein Pforzheimer Restaurant „Jost’s“) und deren Betreuung. Darüber hinaus kooperiert die Firma seit Anfang des Jahres mit Microsoft. In ganz Deutschland gibt Bauknecht Schulungen zur neuen Software „Silverlight“.
„Wir bereuen die Entscheidung für die Selbstständigkeit nicht und würden sie jederzeit wieder treffen.“ Philipp Bauknecht und Petra Schneider.
