CD-ROM: Nationalsozialismus
18. Juni 2003 GEW Unterrichtspraxis, Siegfried Frech, Ausgabe 6/2003, S. 39f.
GEW Unterrichtspraxis, Siegfried Frech, Ausgabe 6/2003, S. 39f.
Die von Johannes Gienger, Tobias Jersak und Gerhard Hirschfeld (die beiden Letztgenannten zeichnen für die wissenschaftliche Beratung verantwortlich) entwickelte CD-ROM stellt ein Novum dar. Die so genannte medialesson Nationalsozialismus hält eine sehr umfangreiche, nach Unterthemen gegliederte und didaktisch durchdachte Materialsammlung zur Ergänzung des Unterrichts oder zu eigener Recherche bereit.
Im Gegensatz zu einer Vielzahl von multimedialen Produktionen zeichnet sich die CD-ROM medialesson Nationalsozialismus durch eine offene Struktur aus. Es ist jederzeit möglich, zu jeder Zeit aus jedem Modus auf Quellen, Fotos, Plakate, Grafiken, interaktive Karten, Tondokumente, Videoclips und Archivmaterial zuzugreifen.
Die CD-ROM medialesson Nationalsozialismus ermöglicht die Nutzung verschiedenster Medien
- bei verschiedenen Arbeitsweisen: Vortrag; arbeitsteiliger, fragend-entwickelnder Unterricht; selbstständiges Erarbeiten des Themas; Erstellung von Referaten;
- auf unterschiedlichem Niveau (Sek. I und II, Studium und Erwachsenenbildung);
- für eine ganze Stoffeinheit.
Die CD-ROM ist in thematische Lerneinheiten aufgeteilt, die jeweils unter verschiedensten Modi (s.u.) je unterschiedlicher Zugriffe auf das Thema erlauben. Gerade durch die offene Struktur wird jede Art von „Gängelung“ vermieden. Die Lernenden können sich - abhängig von ihrer individuellen „kognitiven Landkarte“ eigene Wege und Pfade suchen. Die Konzeption verdeutlicht, dass es gelungen ist, eine didaktische „Einbahnstraße“ zu vermeiden. Die CD-ROM muss also nicht linear durchlaufen werden. Vielmehr kann sich die Informationsaufnahme an den Interessen und Bedürfnissen der Nutzenden ausrichten.
Auf der Ausgangsseite von medialesson Nationalsismus findet man alle auf der CD-ROM enthaltenen thematischen Schwerpunkte (oder Lerneinheiten), unter denen das Thema angegangen werden kann (siehe Kasten). Durch die auf jeder Seite angebotene Möglichkeit, zu diesem Eingangsmenü zurückkehren zu können, wird die Navigation erleichtert.
Klickt man auf einen dieser thematischen Schwerpunkte, öffnen sich die verschiedenen Modi, mit denen man das Thema erschließen kann. Folgende Modi stehen zur Verfügung:
Die Präsentation ist eine Zusammenstellung verfügbarer Filme und Materialien, unterlegt durch O-Töne oder einen gesprochenen Text. Die Präsentation kann gezielt gesteuert werden. Sinn und Zweck der Präsentation ist es, einen Überblick über das Hauptthema zu geben. Im Unterricht oder Seminar (oder im Selbststudium) kann die Präsentation an jeder beliebigen Stelle unterbrochen, durch Leitfragen ergänzt und nach dem Abspielen besprochen werden. Auf zentrale Quellen und Filme kann exemplarisch zurückgegriffen werden.
Die Vortragsstruktur erlaubt die Darstellung des Schwerpunkts als Vortrag. Durch Links können andere Medien in den Vortrag integriert werden. Im einfachsten Fall dient die Vortragsstruktur als „digitaler Tafelanschrieb“. Zugleich hat man jedoch direkten Zugriff auf verlinkte Bild-, Video- und Textmaterialien. Je nach Lerngruppe kann der Vortrag so gestaltet werden, dass man per Mausklick verschiedenste Materialien (Fotos, Videoclips, Tondokumente usw.) mit einbaut und als Gesprächsanlass bzw. zur Veranschaulichung verwendet.
Die Arbeitsblätter ermöglichen eine (arbeitsteilige oder selbstständige) Bearbeitung des Themas. Die Arbeitsblätter nutzen die Möglichkeiten des Mediums in vorbildlicher Weise: Per Mausklick können zu den Fragen gezielt Quellen, Bilder, Tondokumente, Karten, Clips u.ä. aufgerufen werden.
Der so genannte Darstellende Text ist eine Darstellung des Themas in klar gegliederten und gut lesbaren Einheiten. Die Texte entstanden in Kooperation mit Historikern der Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart sowie den Universitäten Stuttgart und Münster. Auch hier können durch Links anderweitige Quellen direkt aufgerufen werden. Zu den entsprechenden Textabschnitten können Bilder, Karten, Quellen, Filmsequenzen und Tondokumente direkt aufgerufen werden, ohne den Text verlassen zu müssen.
Die Materialien und Bilder bieten eine umfangreiche Sammlung von Bildern, Plakaten, Statistiken, interaktiven Grafiken und Archivmaterialien zum jeweiligen Schwerpunkt. Die Materialien und Bilder sind zusammen mit den Videoclips das multimediale „Rückgrat“ der CD-ROM medialesson Nationalsozialismus.
Die Quellen sind eine thematisch geordnete Zusammenstellung verschiedenster Schrift- und Tonquellen. Neben den aus Schulbüchern bekannten Quellen werden Texte zum „Alltag unterm Hakenkreuz“ angeboten.
Videoclips bieten Originalfilme aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die kurzen Clips können - wie auch die Tondokumente - jederzeit angehalten bzw. unterbrochen werden.
Die Folienvorlage ist eine grafisch gut durchdachte Zusammenfassung der Themenschwerpunkte. Je nach Thema ist die zusammenfassende Folie chronologisch oder als erklärendes Schaubild angelegt. Die Vorlagen können in das Textverarbeitungsprogramm eingefügt und als Folie ausgedruckt werden.
Und die Prüfungsaufgaben schließlich erlauben eine Eigen- (oder nie auszuschließende Fremd-) kontrolle.
In der Lerneinheit „Verfolgung der Juden“ findet man die Möglichkeit eines virtuellen Rundgangs durch Auschwitz und Birkenau. Von einem Luftbild ausgehend, gelangt jeweils zu einem digitalen Modell, in dem man zu den entsprechenden Orten Bilder, Erklärungen und Zeitzeugen aufrufen kann. Darunter befinden sich u.a. Lagerpläne, Bilder vom heutigen Zustand der Gedenkstätte, Archivaufnahmen sowie Schilderungen eines ehemaligen polnischen Häftlings. Möglich ist auch ein Zugriff auf einen Teil der Zeugenaussagen des Lager-Kommandanten Rudolf Höss.
Die vielseitige Verwendbarkeit von medialesson Nationalsozialismus wird durch sechs Einsatzmöglichkeiten bzw. unterrichtspraktische Anregungen am Beispiel des Bausteins „Ideologie“ verdeutlicht.
Sämtliche am PC erarbeiteten Ergebnisse lassen sich speichern, ausdrucken oder gegebenenfalls per Mailingliste an Schülerinnen und Schüler oder Kursteilnehmer versenden.
Zusammenfassend muss der CD-ROM ein hohes Lob gezollt werden. Struktur und Aufbau werden der Komplexität des Themas ohne unzulässige Vereinfachungen gerecht. Die Verbindung von Text- und Bildquellen, die Möglichkeiten des Zugriffs auf erläuternde und veranschaulichende Quellen und Grad der Differenzierung sind vorbildlich. Unter mediendidaktischen Gesichtspunkten ist die oft gestellte Frage nach der Einheit von Form und Inhalt überaus stimmig:
- die Zusammenstellung der einzelnen Medien ist dem Inhalt angemessen;
- die Verwendungsmöglichkeiten sind klar und einsichtig;
- die Linkstruktur und Benutzerführung ist übersichtlich;
- die Navigationskomponenten sind äußerst funktional und leicht erfassbar;
- die „didaktische Interaktivität“ (V. Oswalt), die Auslösung kognitiver Prozesse beim Benutzer, ist mustergültig aufbereitet.
So erlaubt die CD-ROM ein eher „assoziatives Lernen“; ein Hin- und Herspringen zwischen den Bausteinen und Materialangeboten ist stets möglich. Die Struktur erlaubt ebenso eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit den thematischen Schwerpunkten.
Auf die Vielfalt einzelner Quellen und die didaktische Struktur der Bausteine kann an dieser Stelle (leider) nicht eingegangen werden. Deutlich wird, dass das Potenzial sich jedoch nur dann nutzen lässt, wenn die CD-ROM inhaltlich erschlossen ist. Ein multimediales Programm zu kennen, ist die Voraussetzung für einen gelungenen Einsatz in Schule und Unterricht.
Zu wünschen bleibt, dass die CD-ROM medialesson Nationalsozialismus vielfach genutzt und angewendet wird.
Minimale Systemvoraussetzungen sind: Windows 98/NT 4x/ME-/2000/XP; Pentium II 266 MHz; 64 MB RAM; 16xCD-ROM-Laufwerk; Soundkarte; Maus.
Empfohlene Systemvoraussetzungen sind: Windows 2000; Pentium III 600 MHz; 128 MB Ram; 24x CD-ROM-Laufwerk.